Hunderte Kilo faulender Thun angespült und verkauft

erstellt am: 25.09.2019 | von: Jürgen Oeder | Kategorie(n): Blauflossenthun, News, Umwelt

An der spanischen Küste in der Region vor Murcia wurden nach dem verheerenden Unwetter Mitte September mehrere Tonnen toter Thune angespült. Allein an den Stränden von El Pedrucho und Banco Tabal de La Manga sichtete die Polizei mehr als hundert gestrandete Exemplare. Die im Durchschnitt 100 bis 250 kg schweren Fische stammen alle aus einem Mastbetrieb der Gruppe Ricardo Fuentes vor der Küste von Pinar del Río und verendeten bei dem Unwetter. Die Fischereigenossenschaft von Cartagena schätzt den Schaden der Fuentes Gruppe auf bis zu 40 Millionen Euro. Bis zu 1000 Tonnen Thun könnten verendet sein.

Nach dem Sturm trieb Mutter Natur die Kadaver (back to sender) dann per Ostwind an die Küsten. Dort wurden Fische von Leichenfledderern zerteilt und das angegammelte Fleisch zum Preis von 3 Euro pro Kilo aus dem Kofferraum an Passanten verkauft. Die Fischereigenossenschaft geht davon aus, dass „zwischen 500 und 600 Kilo“ angefaulter Thun vermarktet wurde. Die Behörden warnten eindringlich vor dem Verzehr, weil der angegammelte Fisch Histamin enthält, das schwere Vergiftungssymptome auslösen kann.

Nach Angaben des Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamtes Karlsruhe (CVUA) ist Histamin ein Eiweiß, das vor allem in bestimmten Fischarten bei unzureichender Kühlung durch Bakterien gebildet wird. Dies gilt für alle Arten der Familien Makrelenfische (zu denen auch Thunfisch gehört), sowie Heringe, Sardellen oder Goldmakrelen.

Die Symptome einer Fischvergiftung sind laut CVUA zunächst Hautrötung, Übelkeit, Durchfall, Magenkrämpfe, Kopfschmerzen und Schwindel. Sie treten bereits 30–60 min nach der Mahlzeit auf. Ernsthafte Symptome lassen sich durch Antihistaminika wie bei Allergien behandeln.

Histamin ist der Behörde zufolge hitzestabil und wird beim Kochen oder der Herstellung von Konserven nicht zerstört. Einziges Kennzeichen beim Verzehr von Fisch mit hohem Histamingehalt ist ein mehr oder weniger intensives Brennen auf der Mundschleimhaut. Dies wird laut CVUA meist „nicht als problematisch erkannt und möglicherweise auch auf scharfe Würzung zurückgeführt“.