Reha-Fischen bis zum No Go

erstellt am: 24.09.2019 | von: Jürgen Oeder | Kategorie(n): News

Die Wiederherstellung (Reha) nach einer Krankheit umfasst laut Definition „sämtliche Formen der sozialen, beruflichen und medizinischen Rehabilitation“. – Klar, dass für mich nach meiner 6-monatigen Chemotherapie zum unheilbaren MCL auch das Angeln als wichtige soziale Reha zählt.  

Am vergangenen Wochenende gönnte ich mir also die ersten Gehversuche mit der Fliegenrute und aus weiser Voraussicht mit unterstützenden Freunden. Zunächst am Donnerstag mit Martin an unserem gemeinsamen Ulmer Vereinsgewässer, der Großen Lauter. Der Tag war geprägt von einer nahenden Kaltfront mit empfindlich kalten Winden und beißfaulen Fischen. Ohne Martin hätte ich aufgegeben, auch wegen meiner schlappen Rücken- und Beinmuskulatur.

Martin, bekannt im Saarland für seine Reha der „Wounded Soldiers“, verletzter und traumatisierter amerikanischer GI’s, lockte mich aber von Pool zu Pool. Mit seinem leichten Mikro-Streamer (Hakengröße 6) fingen wir wunderschön gezeichnete Bachforellen, bis nach über 3-stündiger Tour meine Beine ein endgültiges „No Go“ signalisierten.

Abends dann, bei ihm Zuhause in Leipheim bei einem mundigen Primitivo, konnte ich ihm dann noch die Geheimnisse seines zweiten Erfolgstreamers, dem „Plong“, entlocken. Eines davon ist der spezielle Jighaken, den Martin entwickelt und von Pilkmaxx exklusiv hat gießen lassen.

Dieser Streamer steht am Grund wie eine Mühlkoppe und war dann im zweiten Teil meiner Reha, an einer Privatstrecke in den österreichischen Kalkalpen, sehr erfolgreich. Johannes hatte Robert und mich wieder einmal dorthin für ein Wochenende eingeladen und wie erlebten ein traumhaftes Fischen an einem traumhaft schönen Wasser.

Die Regenbogenforellen dort reproduzieren sich seit Jahren selbst und haben sich mittlerweile zu einer Art „Steelhead“ zurückentwickelt: extrem kampfstark, wunderschön gezeichnet und vor allem steigfreudig.

Mit dem Plong fing ich in einem tiefen langen Zug unterhalb einer Steilwand die größte Forelle der beiden Tage mit 55 cm. Dick und feist wie sie war, wog sie über 2 kg.

Robert hatte am Ende des Pools eine etwas kleinere Regenbogenforelle auf seine derzeitige Lieblingssuchfliege, eine Royal Coachman.  Weil Trockenfliegenfischen aber über allem steht, war Robert für mich auch der Sieger des Tages.

Größten Spaß brachte mir aber das Fischen mit einer Schlittersedge. Vom vergangenen Jahr wusste ich, dass dort eine tagsüber schlüpfende, dunkle Sedge (Sericostoma) vorkommt. Ich hatte mir nun einige entsprechende Rehhaar-Muster mit dunklem Körper aus Seal-Dubbing auf Haken Größe 14 gebunden und damit vollen Erfolg gehabt. Ob tiefe ruhige Züge oder flache Rieselstrecken, die Forellen nahmen das Muster ohne zu zögern.

Diese Reha wäre ohne die im eigentlichen Wortsinn stützende Hand von Robert und der großzügigen Einladung von Johannes nicht möglich gewesen. Danke dafür!

Vollig „wiederhergestellt“ bin ich damit aber noch nicht. Es fehlt ja noch die Salzwasser-Reha! Die war ursprünglich für die erste Septemberwoche in Kroatien angedacht, da war ich aber noch viel zu schwach. Nun wird es ab nächstem Freitag Mallorca. Mit Vince und dessen Mad Max. Wichtiges Einrichtungsstück: Eine großes, bequemes Ecksofa an Deck. Es wird mein Kommandocenter und Ruhefläche zum Nachdrillrelaxen..