Deutsche Meeresschutzgebiete schützen nichts

Meeresschutzgebiete sind entscheidend für den Erhalt der Artenvielfalt und die für die Regeneration erschöpfter Fischbestände. Doch die deutschen Meeresschutzgebiete schützen nichts: „Es ist unfassbar, dass ausgerechnet im Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Krabbenfischer nach wie vor mit Grundschleppnetzen fischen dürfen. Und nicht nur dort“, kritisiert der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.

Der Stiftung zufolge fordert die EU derzeit eine Ausweitung von fischereifreien Zonen im niedersächsischen Küstenmeer. Derzeit sind lediglich rund 3 % der Gesamtfläche des niedersächsischen Teils des Nationalparks Wattenmeer komplett nutzungs- und fischereifrei. Die EU-Biodiversitätsstrategie verlangt dort jedoch einen Anteil von 10 % an streng geschützten, fischereifreien Gebieten.  „Auch 10 Prozent sind noch zu wenig für ein wirksames Meeresschutzgebiet. Auf mindestens 50 % der Fläche sollte es keinerlei Fischerei geben. Im übrigen Teil sollten nur nachhaltige Nutzungen erlaubt sein, wie Pole-and-Line-Fischerei (Handangeln)“, fordert Karlowski.

Eine 2024 veröffentlichte Auswertung von Fischereidaten (Satelliten-Tracking-Daten von Fischerbooten von Global Fishing Watch) zeigte, dass fünf deutsche Meeresschutzgebiete zu den Top 10 der am stärksten in EU-Gewässern mit Grundschleppnetzen befischten Gebiete zählen. Auf Platz 1 lag dabei ausgerechnet der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer mit über 730.000 Stunden!

Was ist Grundschleppnetzfischerei?

Die Fischerei mit bodenberührenden Netzen (Grundschleppnetzfischerei) ist die zerstörerischste legale Fischereimethode. Ihre negativen Auswirkungen für die Biodiversität und ihre Klimafolgeschäden sind ähnlich wie die der weltweit geächteten und verbotenen Dynamit- oder Sprengstofffischerei:

-extrem hohe Beifangraten von bis zu 90 Prozent (allein in der EU von 2015 bis 2019 etwa 1 Million Tonnen toter Meerestiere)

-Vernichtung potenter natürlicher CO2-Speicherökosysteme wie Seegraswiesen

-Freisetzung großer Mengen von in Sedimenten gespeichertem CO2

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