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Blauflossenthun-Larven verhungern ab 28 °C
Marine Hitzewellen um Mallorca können gefährlich werden
Blauflossenthune sind faszinierende Tiere. Sie wandern aus dem Nordatlantik über 5.000 km weit bis ins Mittelmeer, um dort vor Mallorcas Nordwestküste zu laichen. In einem schmalen Gewässerstreifen, in dem es kaum Nahrung für ihre Larven gibt. Warum tun sie das? Eine verblüffende Antwort haben nun Wissenschaftler um Patricia Reglero gefunden, die am Ozeanographischen Zentrum der Balearen forscht.
Es ist ihr scharfes Sehvermögen, das den Larven ihr Überleben im nährstoffarmen Wasser sichert. Dank ihrer Augen können sie im sehr klaren Wasser des Balearen-Stroms ihre Beute deutlich früher zu erkennen als in nährstoffreicheren, aber trüberen Gewässern wie etwa im Atlantik. Es sind also die Augen der Fische. Sie gleichen die sehr viel geringere Dichte an Beute-Organismen, etwa den nahrhaften Wasserflöhen (Cladoceren) und Ruderfußkrebsen (Copepoden) aus, wie folgende Modellrechnung zeigt:
Angenommen, eine Thunfischlarve entdeckt ein Beutetier in 3 cm Entfernung im klaren Mittelmeer, während dies in den dunkleren Küstengewässern des Nordatlantiks nur in 1 cm Entfernung möglich ist, dann bedeutet dies einen 9-fachen Unterschied im Suchvolumen und der erforderlichen Beutekonzentration für die gleiche Erfolgsrate beim Beutemachen.

Bei Temperaturen von 24 °C dauert die Entwicklung großer Augen, eines Magens und einer hohen Schwimmgeschwindigkeit von 3 Körperlängen pro Sekunde weniger als zwei Wochen. Das Leben und Überleben der Larven in nährstoffarmen Gewässern hat allerdings einen Haken: Bei höheren Oberflächentemperaturen beschleunigt sich auch der Stoffwechsel der Larven und sie brauchen deutlich mehr Energie (Nahrung), um sich zu erhalten.
Die Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die Larven ab einer Temperaturschwelle von etwa 28 °C ihren Stoffwechselbedarf nicht mehr mit der verfügbaren Nahrung decken können und verhungern. Marine Hitzewellen um Mallorca hätten dann schwerwiegende Folgen für den atlantikweiten Bestand der Bluefins.
Quelle:
Bluefin tuna (Thunnus thynnus) larvae exploit rare food sources to break food limitations in their warm oligotrophic environment. Journal of Plankton Research, Volume 47, Issue 2, March/April 2025, fbaf006. https://doi.org/10.1093/plankt/fbaf006