Markierter Bluefin Tuna vor Kroatien erneut gefangen

erstellt am: 09.08.2013 | von: Jürgen Oeder | Kategorie(n): Umwelt

Die Welt ist klein und endlich – auch für einen Blauflossenthun, der vor knapp einem Jahr vor Kroatien getaggt und nun wieder gefangen wurde. (joe) Die Welt ist klein und endlich – auch für einen Blauflossenthun, der vor knapp einem Jahr vor Kroatien getaggt und nun wieder gefangen wurde. Am 5. August bekam ich eine Mail von „Blueeye“: Skipper Marinco hatte vor dem Leuchtturm von Blitvenica einen 1,5 m langen und 55 kg schweren Thun gefangen, der am Rücken einen Spaghetti-Tag mit der Nummer HM093607 trug. Ob ich mich um die Meldung in den USA kümmern könne, wegen meiner „guten Kontakte“? – Klar, konnte ich das, und schreibe nun deshalb diese (für mich) spannende Geschichte. Ich telefonierte wegen der Zeitverschiebung am Tag darauf mit der US-Fischereibehörde NOAA in Florida, wo Fischereibiologe Eric Orbesen die Meldung zum „recaptured tag“ entgegennahm. Ich gab ihm durch, dass das Tag die Nummer HM093607 trug, der Thun 150 cm lang war und 55 kg schwer, und dass ihn Skipper Marinco Pavlic auf seinem Boot, der CHARLI am 5. August gefangen hatte, auf der Position 43 34N und 15 32E Auf meine Frage, ob er den wisse, wann und wo der Fisch getaggt worden war, meinte Eric: Ja, er habe die Tag-Nummer schon im PC gefunden. Fänger sei ein gewisser Axel Nanko. Er habe den Fisch am 9.April 2012 auf der Position 43 33N und 15 31 E markiert und ein geschätztes Gewicht 100 lb bei einer Länge von etwa 130 cm angegeben. „Axel Nanko, is a friend of mine“, sagte ich Eric, und beide waren wir verblüfft. Ich sagte aber auch, dass mich das Fangdatum verwundern würde, denn Bluefins im April vor Jezera, das sei merkwürdig. Und ob es sein könne, dass das Datum beider Eingabe in den PC verdreht eingegeben worden sei: Wir Europäer würden immer erst den Wochentag und dann den Monat schreiben und nicht umgekehrt, wir die Amerikaner. Zudem sei September der Hauptfangmonat vor Kroatien. Weil Eric drauf keine Antwort hatte, rief ich Axel an und bekam von ihm nicht nur das Foto oben von dem Thun, sondern auch das folgende Bild, das er damals zum Glück von der Tag-Karte gemacht hatte: Damit war klar: Axel hatte den Thun am 4. September getaggt. Nur wenige Kilometer entfernt von dem Ort, wo ihn Skipper Marinco elf Monate später endgültig entnehmen konnte. Eric freute sich dann über die Information zum korrekten Datum, denn das ist sehr viel wichtiger als Mutmaßungen über das Wachstum, da Axel zwar gut, aber eben nur geschätzt hatte. Dass der Fisch fast aufs Jahr an derselben Stelle wieder gefangen werden konnte, spricht womöglich für das sogenannte homing behaviour: Der Thun zeigt eine jahreszeitabhängigen Wanderung in und durch die Adria zu fetten Jagdgrünen. Auf meine Frage, wo sie den hinziehen, wenn sie die Adria verlassen, übermittelte mir Eric dann folgende Karte mit den Wanderwegen zweier Thune in der Adria: Beide Fische waren Ende September 2009 mit Sendern markiert worden. De Kleinere (rote Linie) zog die Adria hinauf, bis sich der Sender nach drei Monaten löste. Der größere, schon geschlechtsreife Thun verhielt sich den ersten Monat ähnlich, kehrte dann aber um, und zog in insgesamt 172 Tagen vor die libysche Küste, ins östliche Ende der Großen Syrte. – Vermutlich zur Vermehrung, denn dort werden seit langem Laichgründe von Blauflossenthunen vermutet! Wenn diese These stimmt, stehen und fallen die Bestände der Thune vor Kroatien nun allerdings mit dem illegalen Thunfischfang vor Libyen: Seit dem Ende des Diktators Muammar al-Gaddafi tummelten sich in der Großen Syrte Raubfischer aus aller Welt, denn Kontrollen gab es zunächst keine. Die Aktivitäten der Raubfischer deckte Umweltaktivist Paul Watson und seine SEA SHEPHERD auf. 2010 befreiten sie 800 Blauflossenthunfische aus Netzen, die illegal von Wilderern vor Libyen gefangen worden waren. – Und sie gewannen den Prozess, den eine maltesische Firma deshalb gegen sie führte. Im Jahr darauf lieferte sich die SEA SHEPHERD eine „Seeschlacht“ mit zwei Piratenschiffen: Wurfgeschosse, eiserne Kettenglieder der Piraten, beantworteten die Umweltaktivisten mit Stinkbomben aus Buttersäure. Mittlerweile überwachen französische und maltesische Kriegsschiffe die Region auf illegale Fischerei. Offenbar mit Erfolg. Weil zudem EU und ICCAT die industrielle Fischerei mit Ringwadennetzen massive beschränkt haben, kommen die Bluefins im Mittelmeer immer besser auf. Auch vor Kroatien. Dort waren vor einigen Jahren noch 5 Angeltage nötig, um einen Thun zu fangen. In diesem August konnten gute Angler schon mehrere Thune an einem Tag releasen! Zudem werden die Fische immer größer. Um die Wanderwege der Bluefins aus der Adria hinaus besser erforschen zu können, ruft Eric Angler zum Markieren und Zurücksetzen der Fische auf. Wer mitmachen mag: Die Spaghetti-Tags dazu kann ich besorgen. Vielleicht ergibt sie ja daraus wieder eine spannende Geschichte mit viel Erkenntnisgewinn. Wie einfach das Taggen nach einem Erinnerungsfoto ist, zeigt Axels folgendes Video von seinem zweiten markierten Fisch, der nun vermutlich auch vor Blitvenica kreuzen dürfte. Video von Axel