1.850 Fuß Tiefe

Im Reich der Schattenjäger

Noch einmal auf Schwertfisch! Dieser Gedanke verfolgt mich seit mehr als 30 Jahren. Genauer: Seit der Nacht auf den 16. Dezember 1993. Der Nacht, in der ich vor Kenia meinen ersten Schwertfisch fing, mit Skipper Andrew Wright auf der „Snow Goose“, 68 kg wog der Broadbill. Für einen Schwertfisch nicht sonderlich schwer, aber unvergleichlich stärker als jeder Marlin oder Thun in dieser Gewichtsklasse. Vor allem sein Kampfverhalten beeindruckte mich: Kein „show-time“-Fisch, der mit wilden Fluchten oder Sprüngen seine Kraft unnötig verausgabt, eher ein Taktiker in der Tiefe, einer der weiß, was er macht. Schwertfische sind die wahren Herrscher der See, sie greifen alles an, was ihnen zu nahekommt. Eigene Artgenossen und selbst ihren Todfeind, den Mako-Hai. Nicht umsonst lautete ihr wissenschaftlicher Name einst Xiphias imperator, der „Kaiser mit dem Schwert“.

Schwertfische habe ich später auch in der Adria und um Mallorca gefangen. Auf der Suche nach einem größeren als meinem ersten war das vergeudete Liebesmüh. Im überfischten Mittelmeer kam keiner der Schwertfische auch nur annähernd an das Gewicht des Kenia-Fisches heran.

Endlich Rentner, wollte ich meinen Traum Wirklichkeit werden lassen und im März ‘19 noch einmal auf ‚richtige‘ Schwertfische angeln, im Norden Neuseelands, um die sagenumwobenen Three Kings Islands, wo große mit 300 kg und mehr vorkommen und wo man eine spezielle Lizenz braucht, um dort fischen zu dürfen. Flug und Boot waren gebucht und bezahlt. Doch ich landete im Januar wegen einer bösen Erkrankung für Monate in einer Klinik. Viel Zeit zu träumen: Noch einmal Schwertfisch?

Klar, wenn ich kann, sagte ich mir, dann aber zurück zu den Anfängen. Nach Kenia. Dort wurden schon immer Broadbills gefangen. Vor allem nachts, aber auch schon einige am Tag beim Deep Drop in 1.850 Fuß Tiefe. Kenia, das war schon immer meine Wahlheimat. Dort hatte ich das Big Game auf der Snow Goose mit Skipper Andrew Wright gelernt, Segelfisch-, Marlin- und Hai-Rekorde aufgestellt und vor allem stimmte auch der Beifang und die relaxte Atmosphäre.

Ich buchte also gemeinsam mit meinem Freund Micha den besten Skipper vor Ort, Peter Darnborough und seine „Alleycat“, für 5 Ausfahrten zum Fischen am Tag auf den Imperator.

Was mir dann im März 2023 widerfuhr, wühlt mich immer noch auf: Wir fuhren am ersten Tag hinaus an einen Unterwasserberg, und hatten zunächst 3 Stunden Kurzweil mit Beifang von einem kleinen Marlin, über Wahoo bis hin zu Yellowfins und großen Mahi Mahi.

Am Berg angekommen, machte ich die Augen weit auf, um die Technik des Deep Drop in der Praxis zu sehen. Geriggt wurde wie auf der folgenden Grafik, mit leichten Modifikationen: Wir fischten mit einer 50W-Rolle, gefüllt mit knapp 1.000 m 80 lb geflochtener Hauptschnur. Verbunden wurde sie per Albright Knot mit dem etwa 30 m langen Top-Shot (Mono, 250 lb Tragkraft).

Kurz vor dem Leader befestigte Pete dann eines der klassischen, grünen Knicklichter und entschied sich für einen Circle-Hook, anstatt der Salmon-Hooks, die die Skipper vor Kenia auch beim Night Trolling auf Broadbill nutzen. Diese Haken haben zwar einen weiten Bogen (was gut ist), ihr Widerhaken mit scharfer Schneide ist aber überaus groß. „Wir hatten schon viele Fehlbisse beim nächtlichen Trolling auf Schwertfisch, sagte Pete. Also dann, ein Circle Hook. Nun wurden der Köder (ein Belly Strip vom frisch gefangenen Mahi) und der Top-Shot ausgelassen.

Dann befestigte Pete kurz unterhalb der Verbindung des Top Shots zur Hauptschnur eine etwa 10 m lange Mono-Reißleine und an deren Ende wiederum ein etwa 7 kg schweres Betongewicht.  Abreißmontage wie beim Wallerfischen, dachte ich.

Um diese Reißleine (Monofil mit etwa 30 lb Tragkraft) machen alle Skipper ein Riesen-Bohei. Sie soll nicht zu früh reißen, etwa bei einem versehentlichen Grundkontakt des Gewichts, aber trotzdem reißen, wenn ein Schwertfisch gebissen hat. Also nicht zu schwach und nicht zu stark soll sie sein. Jeder Skipper hat dafür ‚seine‘ Schnur und nimmt keine andere. In die Reißleine kommen zuvor noch am oberen Ende einige einfache Knoten als Sollbruchstelle. Ansonsten gibt es Chaos bis hin zum Fischverlust, wenn der Angler den Top-Shot auf die Rolle winscht und sich eine womöglich 10 m lange Mono mit immerhin 30 lb Tragkraft an den Ringen verheddert oder gar die Rolle blockiert. Diese Knoten relativieren die Tragkraft der Reißleine allerdings deutlich. Micha und ich haben uns heute für die Stroft ABR entschieden: kaum Dehnung, exakte Tragkraftangaben und salzwasserfest.

Das Ablassen des Köders in 550 m Tiefe ist ein zeitraubender Akt: Damit das schwere Betongewicht nicht allem voran hinabsaust und sich das Vorfach dabei samt Köder um die Hauptschnur wickelt, muss das Boot beim Ablassen mit leicht eingestellter Bremse langsam gegen die Strömung vorwärtsfahren. Fast 1 km weit, wegen des Schnurwinkels, der dabei entsteht und entstehen soll.

Dann wird gestoppt, langsam zum Drop zurückgefahren und Schnur eingeholt, bis sie senkrecht am Bootsheck steht. Ist so der Grund erreicht, werden nochmals 20-30 m Schnur aufgenommen: die ideale Tiefe zum Fischen im Reich der Schattenjäger.

Und nun. Warten. „Kreischt die Rolle Alarm, wie etwa bei einem Marlin-Biss?“ Pete schmunzelt: „Du hörst den Strike nicht, du siehst ihn“, sagt er. Und so kam es auch. Unser Alarm war das lautlose, zarte Wippen der Rutenspitze, kurz auf und ab um 3-4 cm. – Klar: Wir fischten in über 550 m Tiefe, mit einem etwa 7 kg schweren Betongewicht und noch mal 30 m lockerem Top-Shot. Viel Wasserwiderstand also für einen Fisch, der melden wollte: „Hallo, ich hänge am Haken“.

Und da war er, der Biss. Ein kurzes Zucken, und die gekrümmte Rute entspannte sich. „STRIKE“, schrie Pete von der Brücke und ich war auch schon an der Rute und die Rolle am Black Magic Harness eingeklinkt. „Wind, wind, wind!“ rief Pete. Wie aus weiter Ferne: Ich war bereits in meinem Tunnel und nahm die Außenwelt nur noch gefiltert war. „Was hat er denn! Ich kurble doch schon wie wild. Ist der Fisch dran? Weiterkurbeln! Kontakt aufnehmen. Bleib ruhig. Finger weg von der Bremse. Pete hat sie eingestellt. Er weiß, was er macht. Ich auch. Konzentriere dich. Spannung auf die Schnur! Weiterkurbeln, sagte meine innere Stimme.

Und dann tat der Schwertfisch, was sie immer tun, wenn sie mit dem Haken im Maul, den Widerstand des Abreißgewichts spüren. Sie schießen nach oben (nach unten können sie ja nicht), um das Gewicht loszuwerden. Reißt es dann ab, kommt ein erster kritischer Moment: Der große Schnurbogen im Wasser muss so schnell wie möglich aufgenommen werden, also nochmals: ‚wind, wind, wind!‘.

Reißt das Gewicht nicht ab, was auch in den Jahren danach immer wieder vorkam, hängt meist ein kleinerer Beifang dran: Pomfret, Ölfisch, kleine Grundhaie oder auch ein großer Fuchshai. Sie müssen dann mit dem Betonklotz nach oben gewinscht werden. – Sehr mühsam.

Beifang Ölfisch, einmal ganz ok, danach lästig.

Nun war er aber dran. Ich an der Bordwand im Stand-Up schaute erstmal zu, wie Schnur von der Rolle lief. Er nimmt Schnur, immer mehr. Nochmal 100 Meter. Mindestens 18 kg Bremse. Ein Großer? Halte endlich an, Fisch! Hoffentlich nicht zu groß. Sonst geht’s mir noch wie Callum Looman. Seine Geschichte kennen alle Big Gamer an Kenias Küste. Beim Nachtangeln hakte Callum einen Fisch, der ihm langsam, aber unerbittlich die Schnur von der Rolle leerte. Fast am Ende angekommen hängte Callum an die Öse dieser Rolle per Wirbel und Snap eine zweite Kombo an und warf die erste über Bord. Als dann auch die zweite Rolle leer war, wiederholte er die Aktion mit einer dritten Rute und Rolle. Die Last dieses an die 2 km langen Geleitzugs war dann aber zu viel für die Schnur, sie riss und der Fisch plus zwei Ruten und Rollen waren weg. Callum hatte den Riesen nie zu Gesicht bekommen, er war all die Zeit in der Tiefe geblieben.

Mein Schwertfisch war mittlerweile in den Stellungskampf übergegangen. 100 m mühsam rauf und 80 m schnell wieder runter. Und nochmal 100 m rauf. Kraft gegen Kraft, Stillstand. Dann wieder einen Schlag mit der Kurbel, einen halben, zwei, drei, zehn. Dann wieder 60 m runter, so ging das knapp eine Stunde lang. Meine Knie zittern schon leicht. Fragende Augen um dich rum. Die beobachten dich. Kann der noch? – Kann ich noch? Ja, es sind noch ein paar Körnchen in Reserve. Aber die Knie. Wie lange noch, Fisch? Der Schnurwinkel wird flacher, er kommt hoch! Gottseidank.

Ja, der Drill wurde leichter, das Top-Shot war schon einige Meter auf der Rolle. Nicht mehr lange, dann habe ich ihn. Endlich, meinen ersten richtigen Imperator!

Der Fisch war nun so nah am Boot, dass ich zwei Schritte zurücktreten musste, damit Mate Amiri das Vorfach greifen konnte. Nur für einen kurzen Moment. Wie sich zeigte, war der Broadbill nicht mangels Kraft und Ermüdung ans Boot gekommen, sondern vielmehr aus Neugier. So, als ob er mal sehen wollte, wer oder was ihn da so nervt. – Amiri schaute auf den Fisch, Michael schaute auf den Fisch, und Pete oben am Steuerstand. Es war still, alle sahen den Broadbill, nur ich nicht, in der Mitte auf dem Deck stehend. Der Fisch selbst hatte offenbar genug gesehen, machte eine Kehrtwende und zog in einem Run mehr als 160 m Schnur von der Rolle, sprang hoch aus dem Wasser und nahm nochmals 100 m Schnur.

Nicht nochmal alles auf Los. Ich schaffe das nicht. – „Micha, ich habe den Fisch nicht gesehen, wie groß war er?“ – „Ich habe so was noch nie gesehen. Sein Rücken war breit wie ein Pferd!“, war seine Antwort. Breit wie ein Pferd? Naja, er hatte wirklich noch keinen Schwertfisch gesehen.

Ich rief deshalb zu Pete auf der Brücke, „Wie groß ist er?“ Seine Erwiderung: „Ich kann es nicht sagen. Einen so großen Schwertfisch habe ich noch nie auf meinem Boot gesehen!“ Die Antwort machte mich fertig und gab mir Kraft zugleich. Doch nochmal auf Los! Quäl dich. Der Fisch deines Lebens! Fang ihn. Du kannst noch. Bestimmt!

Ich konnte noch weitere 40 Minuten lang, dann wurde die Schnur schlaff. Er war endgültig weg. – Die Spitze des Circle Hooks hatte sich unter der Bremskraft von zuletzt 21 kg nach außen gebogen. Wir vermuteten später, dass der Fisch nicht im Maulwinkel gehakt war, sondern sich der Circle Hook am harten Schwert verklemmt hatte.

Ich hatte den Fisch meines Lebens nach IGFA-Regeln zwar ‚gefangen‘ (Amiri hatte das Vorfach in der Hand), aber doch verloren. Was nutz da die Fahne in der Hand?

Erschöpft und enttäuscht, kletterte ich zu Pete auf die Flybridge. Ich wollte von ihm unbedingt eine Schätzung: „Pete, der größte Broadbill, den du tagtäglich siehst, hängt in der Rezeption vom ‚Ocean Sports Hotel‘, 163 kg schwer. War er so groß?“ – „Viel größer“, murmelte er mit flacher Stimme. – Was mich bis heute wie ein Albtraum verfolgt: Ich habe den Schwertfisch nicht gesehen und keine Vorstellung von seiner Größe.

In den folgenden Tagen lernten wir aus Fehlern hinzu, fischten mit J-Hooks und fingen auch einige Schwertfische, kleinere. Doch das aufwühlende Erlebnis ließ mir keine Ruhe. Noch ein nächstes Mal auf Schwertfisch. Dann aber alles richtig machen.

Vor allem bessere Haken. Ich telefonierte mit Skippern in Neuseeland und bekam die Antwort: „Paklula Haken sind die besten“. Ein Haken mit weitem Bogen (damit er im weichen Maul tiefer greift), kurzem Schenkel (damit er nicht aushebelt) und vor allem mit einer runden Spitze, (die nicht durch den Kiefer schneidet).

Auch die üblichen chemischen Knicklichter wollte ich austauschen. Sie sind zwar gut fürs nächtliche Trolling. Dem Wasserdruck in 550 m Tiefe waren sie nicht gewachsen, einige waren geplatzt. Ich entschied mich für druckfeste, blinkende LED-Leuchten in der Farbe Blau.

Und eine Stuhlrute ließ ich mir bauen. Der große BB hatte mir Respekt eingeflößt. Die Rute sollte eine sensible Spitze für die Bisserkennung haben und eine parabolische Aktion, damit der Haken auch bei wilden Schlägen des Schwertfischs nicht aus dem weichen Maul gerissen wurde.

Mein Freund Rene, Experte für das schwere Stand Up, empfahl mir einen eGlas-Blank von Calstar und SIC-Ringe und einen Top-Roller von Winthrop. Eine gute Wahl. Und weil Old Shatterhand einen „Bärentöter“ hatte und Winnetou eine „Silberbüchse“, sollte meine Rute auch einen Namen bekommen. Der Imperator heißt in der modernen Wissenschaft Xiphias gladius. Zweimal ‚Schwert‘, einmal auf Griechisch und einmal lateinisch, nach dem Kurzschwert der römischen Legionäre, dem ‚gladius‘. Damit war klar, meine Rute sollte „gladius fighter“ heißen.

Dann kam die Krankheit zurück. Mein linker Oberschenkel schwoll rasant an und ein MRT bestätigte: „Er ist wieder da“. Mit einer der modernsten Strahlenkanonen der Republik wurde an 23 Tagen im September so erfolgreich weggebeamt, dass ich im November wieder fischen konnte.

So gerüstet, fischte ich wieder mit Pete und wir hatten in 5 Ausfahrten 7 Schwertfische an den neuen Haken. Dass im Dill nur 2 verloren gingen, bezeichnete Pete als „fantastisch gute Quote“. Mein personal best stand mittlerweile nun schon bei knapp 100 kg, aber der Verlust des ersten großen Broadbills nagte weiter in mir. Ich buchte deshalb mit Micha Pete und seine ‚Alleycat‘ für März ’25. Die Rute ließ ich an Bord (Die Lufthansa verlangt 200 Euro für den Transport von Sportgepäck – pro Weg!) Pete fing an ihr weitere Schwertfische, taggte sie und dann kam das Unfassbare für Petes Familie und Freunde: Pete verstarb Weihnachten ’24 an einem üblen Krebs.

Obwohl alle anderen top-Boote bereits ausgebucht waren, konnten wir trotzdem fischen. Und das kam so: Petes bester Freund Mark Jury, Skipper auf Blauflossenthun vor Englands Südküste hatte mich zuvor schon kennengelernt, und als er hörte, dass unsere Charter nun nicht mehr möglich war, lud er mich spontan auf seine Privatyacht ‚Lulu‘ in Kilifi ein – und gab das Chartergeld Petes Witwe Michelle. Welch noble Geste!

Nick weiß, was er macht: Schwertfisch mit knapp 120 kg.

Wir angelten mit Mark und dem bereits erwähnten Experten Nick Michalidis vor Kilifi. Micha fing seinen ersten ‚richtigen’ Schwertfisch mit etwa 60 kg – und ich lernte von Nick die letzten Feinheiten, wie etwa seine Köderwahl. Er benutzt zwar auch Bauchlappen von Mahis, aber lieber noch sind ihm die vom Wahoo. „Irgendwie fangen die noch besser!“, sagt er. Warum sie besser fangen, habe ich dann bei der Lektüre wissenschaftlicher Aufsätze von Barbara Block herausgefunden. (Broadbill sind Augenjäger: Ein ondulierender Köder reizt sie mehr als alles andere).

Nach den schönen Tagen mit Mark und Nick waren wir wieder in Watamu. Ich fragte Sean Darnborough, Petes Sohn, nach meiner ‚gladius fighter‘. Er erzählte mir dann, dass Pete mit ihr Broadbills gefangen und getaggt hatte und nun, 2 Monate nach dem Tod seines Vaters, habe er die Nachricht erhalten, dass einer der Fische wieder gefangen worden sei. Das sei für ihn wie ein Zeichen und er würde mir die Rute gerne abkaufen, als ehrende Erinnerung an seinen Vater. Und außerdem habe auch er Broadies daran gefangen, die Rute sei phantastisch gut.  – Was kann man dazu anderes sagen als: „Ja, geht klar“?

Nun erwäge ich den Bau der „Gladius Fighter II“. Kürzer, für das Stand Up und auch ein wenig härter, um auch einen Fisch samt Betongewicht schneller hochpumpen zu können. Noch einmal auf Schwertfisch? – Klar!

Meine Ausstellung: Invasive Arten

Ich habe mich in letzter Zeit hier etwas rar gemacht. Nicht aus Desinteresse. Ich war über Monate damit beschäftigt, eine Ausstellung über „Invasive Arten“ zu kuratieren. Nun ist’s vollbracht. Kommt ihr mal zufällig nach München, dann könnt ihr sie sehen im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum unweit vom Stachus.

Das Thema ist hochaktuell: Nach der Umweltzerstörung gelten invasive, gebietsfremde Arten weltweit als die zweitgrößte Gefährdung der biologischen Vielfalt. Sie sind mittlerweile am Aussterben von über 60 % aller Tier- und Pflanzenarten beteiligt. Auch in Deutschland werden diese Arten zu einem immer größeren Problem. Die Ausstellung widmet sich 26 dieser Tiere und erklärt, warum manche von ihnen regional der Natur entnommen werden müssen, um bereits gefährdete Arten zu schützen.

Dies gilt allen voran für den charismatischen Waschbären: Die rund 2 Millionen Tiere in Deutschland sind vielen Menschen sympathisch. Für Wissenschaftler sind sie dagegen eine ernste Bedrohung für die lokale Artenvielfalt.

Besorgniserregend ist aber auch die explosive Vermehrung etwa der invasiven Quagga-Muschel in den Voralpenseen. Sie filtert Plankton an der Basis der Nahrungspyramide so effizient, dass ganze Artengemeinschaften in Gefahr geraten. Eine Abhilfe hat die Wissenschaft noch nicht gefunden. Dies gilt auch für die Asiatische Hornisse. Ihr Siegeszug quer durch Europa ist nicht mehr aufzuhalten. Jedes Volk produziert etwa 500 Jungköniginnen im Jahr – und frisst bis zu 11 kg Insektenmasse, das sind etwa 97.000 Tiere, vor allem Honigbienen.

Aber auch auf uns Angler kommt Einiges zu, denn immer mehr Gewässer werden durch invasive Fischarten, Pflanzen, Krebse oder Schildkröten belastet. Es ist unter anderem ein offenbar nicht endender Strom freigesetzter Tiere aus bundesweit dreieinhalb Millionen Aquarien und Terrarien.

Was diese Tiere anrichten können, wenn sie gedankenlos in Gewässer gekippt werden, ist der breiten Öffentlichkeit nicht bewusst. Und selbst so mancher Aquarianer wird nicht wissen, dass aus seinem friedlichen Goldfisch ein Superräuber werden kann, der massenhaft den Laich von Amphibien frisst.

So zuletzt geschehen in einem Naturschutzgebiet im Landkreis Tübingen. Nachdem dort in einem Teich illegal Goldfische ausgesetzt worden waren, schrumpfte der ehemals große Amphibienbestand auf nahezu Null. Die Kosten für die Bekämpfung der invasiven Fische in nur diesem einzelnen Gewässer beliefen sich auf rund 30.000 Euro. – Und es ist ja nicht nur der Goldfisch. Auch Katzenwelse, amerikanische Krebse oder exotische Schildkröten schädigen unsere Biodiversität. Sie alle sind ebenfalls Thema der Ausstellung.

ICCAT erhöht Quote für Blauflossenthun

Die ICCAT hat die Fangquoten (TAC) für Blauflossenthun im Ostatlantik für den Zeitraum 2016-2028 um 19,3 %. Nach einem Beschluss der Organisation vom 24. November wurden die Quoten für den westlichen Atlantik auf 3081,6 Tonnen und für den östlichen Atlantik auf 48.403 Tonnen festgelegt. Das entspricht einer Erhöhung der TAC um 13 % im Westen und 19,3 % im Osten.  Darüber hinaus verabschiedete die Kommission ein Pilotprojekt zur Aufzucht (Mast) von Blauflossen- und Gelbflossenthun in den Gewässern der Kanarischen Inseln.

Die „Internationale Kommission für die Erhaltung des Thunfischbestandes im Atlantik“  (ICCAT) nahm zudem Mauretanien, Namibia, Panama und Senegal als neue Mitglieder auf. Die ICCAT ist eine zwischenstaatliche Organisation, die für das Management und den Schutz von Thunfisch und 29 weiteren, weit wandernden Arten im Atlantischen Ozean und angrenzenden Gewässern zuständig ist. Die Organisation mit bislang 48 Vertragsparteien wird von Wissenschaftlern vorgeworfen, trotz Überfischung nicht nachhaltige Fangquoten zu unterstützen.

Dies gilt derzeit vor allem dem Schutz von Haien. Auch auf dieser Konferenz scheiterte eine Einigung über das „Finning-Verbot“:  Die Mitgliedstaaten streiten nun seit 18 Jahren über die sogenannte „Fins Naturally Attached (FNA)“-Regelung. Sie besagt, dass Haien erst an Land die Flossen abgetrennt werden dürfen. Dies soll den Handel mit Haiflossen und das sogenannte „Shark Finning“ eindämmen. Hierbei schneiden die Fischer den Haien nach dem Fang die wertvollen Flossen ab. Dann „entsorgen“ sie das noch lebende Tier im Meer. Damit ist auch eine Nachvollziehbarkeit darüber, ob geschützte Arten betroffen sind und welche Gesamtfangmenge erzielt wurde, nicht gegeben. Obwohl seit Jahren eine große Mehrheit der Mitgliedsstaaten für eine strikte FNA-Regelung ohne Ausnahmen eintritt, blockieren einige wenige, darunter Japan, die Verabschiedung im Konsens.  

Gang Bang bei Leopardenhaien

Vor Neukaledonien wurden zum ersten Mal Haie beim Gruppensex gesichtet und gefilmt. Die sensationellen Aufnahmen von einem Hai-Dreier mit einem Weibchen und zwei Männchen gelang dem Wisenschaftler Hugo Lassauce von der University of the Sunshine Coast (UniSC). Es handelt sich um die weltweit erste dokumentierte Gruppenpaarung dieser Art in natürlicher Umgebung.

Lassauce entdeckte die Tiere beim Schnorcheln im Rahmen eines Überwachungsprogramms etwa 15 km vor der Küste. Demnach sah er ein Weibchen mit zwei Männchen, die sich an ihren Brustflossen festhielten. Die Paarung mit beiden Männchen nacheinander verlief schnell. „Der erste brauchte 63 Sekunden, der andere 47“, erinnerst sich Lassauce. Danach seien beide Männchen bewegungslos am Grund geblieben, während das Weibchen aktiv davonschwamm. Es trug deutlich sichtbare Bisswunden an beiden Brustflossen – Spuren, die von der Fixierung durch die Männchen stammten.

Der Leopardenhai (auch als Zebra-Hai bekannt) ist in den Küstengewässern des Indo-Westpazifik verbreitet, von der Ostküste Afrikas bis zu den Pazifischen Inseln und Australien. Die Art gilt laut der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet.

Kita von Hundshaien in Nordsee entdeckt

Forscher haben einen Kindergarten für Hundshaie in der südlichen Nordsee entdeckt. Demnach halten sich neugeborene und junge Hundshaie regelmäßig zwischen der ostfriesischen Insel Borkum und den westfriesischen Inseln in den Niederlanden auf, wie der Umweltverband WWF mitteilte. In der Untersuchung internationaler Haiexperten wurde auch ein Wanderkorridor der bedrohten Tiere von Helgoland durch die südliche Nordsee und den Ärmelkanal bis in die Keltische See festgestellt.

Neuer Tiefseefisch vor Kalifornien entdeckt

Vor Kalifornien wurde ein neuer Tiefseefisch entdeckt. Die Wissenschaftler tauften ihn auf den Namen „bumpy snailfish“ oder wissenschaftlich: „Careproctus colliculi“.  ‚Bumpy,‘ also uneben, ist seine Haut. Und weil die Familie der „snailfish“ im Deutschen „Scheibenbäuche“ heißt, wäre der kleine Fisch ein „unebener Scheibenbauch“. Ich finde, er hat einen netteren Namen verdient. – Scheibenbäche heißen sie wegen einer Saugscheibe am Bauch. Mit ihr heften sie sich manchmal auf Tiefessekrabben für einen kostenlosen Ausritt fest.

Die rund 9 cm lange, ausgewachsene Fischdame kam einem Tauchroboter in 3268 m Tiefe vor die Kamera. Die Wissenschaftler der Uni New York entdeckten dort im Monterey Canyon (100 km vor der Küste) noch zwei weitere zuvor unbekannte Scheibenbäuche. Die Familie ist mit über 400 Arten weltweit in der Tiefsee vertreten.  Tatsächlich ist der am tiefsten lebende Fisch, der jemals registriert wurde, ein Scheibenbauch.

Hitzestress lässt Fische schrumpfen

Auch Fische leiden unter steigenden Meerestemperaturen. Sie verändern ihr Jagdverhalten, werden kleiner und könnten sogar aussterben, wie nun zwei Studien herausfanden: Erhitzt sich das Oberflächenwasser, kommt es zur sogenannten Schichtung. Dabei vermischen sich die kälteren und dichteren Wasserschichten in der Tiefe kaum mit den wärmeren, weniger dichten Schichten an der Oberfläche. Nährstoffe aus der Tiefe gelangen schlecht an die Oberfläche, es wächst weniger Phytoplankton, dem Futter des Zooplanktons, das wiederum die Nahrungsgrundlage für Fische ist. Laut einer Studie des Wissenschaftlers Shin-ichi Ito an der Uni Tokio werden Fische durch den Klimawandel mehr hungern und über Generationen deshalb immer kleiner und leichter. https://doi.org/10.1111/faf.12818

Große Ostseelachse könnten wegen der Klimaerwärmuung bald der Vergangenheit angehören.

Eine weitere große Studie in der Ostsee (https://www.nature.com/articles/s41558-024-01946-y ) kommt zu dem Ergebnis, dass sich Raubfische bei steigenden Temperaturen zudem auf kleinere(!) Beutetiere konzentrieren. Das hatte die Wissenschaftler überrascht: Bei steigenden Temperaturen nimmt der Energiebedarf der Fische eigentlich zu, sie brauchen also mehr Nahrung, um ihren Energiebedarf zu decken. Kleine Beutetiere sind im Vergleich zu großen aber energetisch weniger lohnend. Es bedeutet also mehr Aufwand bei weniger Energiegewinn, auf kleinere Beute zu wechseln.

Warum Dorsche, Plattfische oder Lachse sich im Hitzestress für Beute entscheiden, die ihnen nicht genug Energie liefert, ist für die Wissenschaftler um Benoit Gauzens vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Jena weiterhin ein Rätsel.

Nicht nur die Überfsichung, auch das Klima lässt Dorsche weiter schrumpfen.

Besonders für große Raubfische sind die Schichtung und die Umstellung auf weniger nahrhafte Beute ein Problem. In der Ostsee kann das dramatische Folgen haben, erklärt Gauzens: „Große Fischarten werden viel stärker unter dem Temperaturanstieg leiden, als bisher vorhergesagt und verstanden wurde. Das bedeutet, dass zunächst die Biomasse der Populationen abnimmt, bevor sie schließlich aussterben.“

So sieht es auch in anderen Meeren aus. Shin-ichi Ito plädiert deshalb für schnelle Maßnahmen: „Selbst wenn wir den Ausstoß von Kohlendioxid heute stoppen, wird die Temperatur noch mindestens 50 Jahre lang weiter steigen.

Hitze: Artensterben im Mittelmeer

Das Mittelmeer erwärmt sich so schnell wie kein anderes Meer. Die Artenvielfalt darin sei ernsthaft bedroht, sagten Experten des WWF. Mittlerweile seien Weichkorallen wie die fächerartigen Gorgonien, aber auch die größte mediterrane Muschelart, die Großen Steckmuschel, von einem „Massenaussterben“ bedroht.

Selbst der Weltklimarat (IPCC) bezeichnet das Mittelmeer als „Hotspot des Klimawandels“. Spanische Forscher beobachten ein Massensterben von Schwämmen, Korallen und Neptungras. Dies habe ernste Folgen für die Artenvielfalt, denn jede fünfte Mittelmeerart benötige Neptungras als Lebensraum. Laut Untersuchungen kann Seegras etwa doppelt so viel CO2 speichern wie es Wälder an Land vermögen.

Die Unterwasserwiesen speichern laut WWF bis zu 42 Prozent der CO2-Emissionen aller Länder des Mittelmeeres und sind deshalb auch als Kohlenstoffsenke wichtig.

Wegen der marinen Hitzewellen verbreiten sich zudem trpische Quallenarten seit 2003 immer mehr, auch im Winter. Die massive Überfischung von fast 90 % der Fischbestände sorge zusätzlich dafür, dass die Fressfeinde und Nahrungskonkurrenten der Quallen fehlen.

Manuel Vargas vom spanischen Institut für Meereskunde erklärt: Das Ökosystem des Mittelmeeres habe Tausende Jahre Zeit gehabt, sich an die klimatischen Bedingungen anzupassen. Nun gebe es einen Wandel in nur 100 oder 150 Jahren. „Einige Arten werden das nicht schaffen. Wir verlieren die Artenvielfalt.“

Zudem zeigen nun am Meeresgrund winzige Meeresarchitekten, sogenannte falsche Korallen (Bryozoen), alarmierende Anzeichen von Stress. Die vom Klimawandel bedingte Erwärmung als Versauerung des Wassers führt zu einer Schwächung des Skeletts und mikrobiellen Veränderungen der falschen Korallen, wie französische Wissenschaftler herausfanden.

Falsche Korallenkolonien wachsen normalerweise zu dreidimensionalen Gerüsten heran, die vielen Meeresorganismen Schutz bieten.  

Blanca Figuerola, Forscherin am ICM-CSIC und Hauptautorin der Studie weist darauf hin, dass die bislang kaum erforschten „Bryozoen eine sehr wichtige ökologische Rolle spielen“. Sie seien aber wegen der zunehmenden Versauerung und Erwärmung gefährdet. Ihr Verschwinden könnte auch Kettenreaktionen bei vielen anderen Arten auslösen, die auf sie als Schutz oder Nahrungsquelle angewiesen sind.

DOI: 10.1038/s42003-025-08524-8

Panama: Kein Upwelling – kein Fisch

Kein Fisch vor Panamas Südküste. Der Grund: Dort ist wegen der Klimaerwärmung das saisonale „Upwelling“ erstmals seit 40 Jahren ausgeblieben. Upwelling (oder Auftrieb) ist der Prozess, bei dem tiefes, kaltes und nährstoffreiches Wasser an die Meeresoberfläche aufsteigt, um die Lücke zu füllen, die durch vom Wind verdrängtes Oberflächenwasser entsteht.

Upwelling-Zonen sind besonders produktiv, da diese Nährstoffe das Oberflächenwasser „düngen“ und damit die Nahrungskette ankurbeln. Daher finden sich gute Fischgründe in der Regel dort, wo Auftrieb häufig vorkommt.

Das ist vor der Pazifikküste Panamas normalerweise in der Regel zwischen Dezember und April der Fall, wenn der aus Norden kommende Passatwind, das Oberflächenwasser von der Küste wegschiebt. In diesem Jahr fand diese wichtige Auftriebsströmung jedoch zum ersten Mal seit mindestens 40 Jahren nicht statt.

Chlorophyllkonzentrationen in den Ozeanen um Panama (blau = niedrig, rot = hoch) im Februar 2024, die die höchste Produktivität im Golf von Panama während einer typischen Auftriebsperiode zeigen. Quelle: Aaron O’Dea

Extrem niedrige Chlorophyllkonzentrationen in den Ozeanen um Panama (blau = niedrig, rot = hoch) im Februar 2025, die das Versagen der Auftriebsströmung im Golf von Panama im Jahr 2025 zeigen – zum ersten Mal seit mindestens 40 Jahren. Bildquelle: Aaron O’Dea

In einem kürzlich in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichten Artikel vermuten die Wissenschaftler, dass eine deutliche Abschwächung der Windverhältnisse die Ursache für dieses beispiellose Ereignis war, und zeigen damit, wie Klimastörungen grundlegende ozeanische Prozesse, die seit Jahrtausenden die Lebensgrundlage der Küstenfischereigemeinden bilden, schnell verändern können.

Quelle: „Unprecedented suppression of Panama’s Pacific upwelling in 2025” von Aaron O’Dea, et al, Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: 10.1073/pnas.2512056122

Blauflossenthun-Larven verhungern ab 28 °C

Marine Hitzewellen um Mallorca können gefährlich werden

Blauflossenthune sind faszinierende Tiere. Sie wandern aus dem Nordatlantik über 5.000 km weit bis ins Mittelmeer, um dort vor Mallorca zu laichen. In einem schmalen Gewässerstreifen, in dem es aus menschlicher Sicht kaum Nahrung für ihre Larven gibt. Warum tun sie das? Antworten haben nun Wissenschaftler um Patricia Reglero gefunden, die am Ozeanographischen Zentrum der Balearen forscht.

Aber zunächst zur Entwicklung der Thune: Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich in weniger als 2 Wochen 5 mm große Larven mit besonders großen Augen, einem Magen und einem Körperbau, der die Larven mit der vergleichsweise hohen Geschwindigkeit von 3 Körperlängen pro Sekunde vorantreibt.  

Die Sehschärfe der Augen und damit die Entfernungserkennung von Beute ist schon in diesem ersten Stadium extrem gut. Die Larven konzentrieren sich beim Scannen der Umgebung vor allem nach oben und nutzen den Forschern zufolge die helle, klare Meeresoberfläche als Hintergrundkontrast, um Beute zu erkennen.

Zu dieser Beute zählen zunächst sogenannte Nauplien, winzige 0,15 mm große Organismen. Sie werde schnell ersetzt durch 0,8 mm große und äußerst nahrhafte Wasserflöhe (Cladoceren) und später durch 1 mm große Ruderfußkrebse (Copepoden). Beide Arten kommen in den Laichgewässern mit 5-10 Organismen je Kubikmeter zwar nur in kleiner Zahl vor, doch das ist für die Larven wegen ihrer guten Augen und des schnellen Vortriebs kein Problem wie folgende Modellrechnung zeigt:

Angenommen, eine Thunfischlarve entdeckt im klaren Wasser vor Mallorca ein Beutetier in 3 cm Entfernung, während dies in den dunkleren und trüberen Gewässern des Nordatlantiks nur in 1 cm Entfernung möglich ist, dann bedeutet dies einen 9-fachen Unterschied im Suchvolumen und der erforderlichen Beutekonzentration für die gleiche Erfolgsrate beim Beutemachen.

Mit anderen Worten: Die Sehschärfe im klaren Wasser und die hohe Schwimmgeschwindigkeit machen das geringere Nahrungsangebot mehr als wett.  Und ein weiterer, gewichtiger Vorteil: In dem nahrungsarmen Wasser gehen nur wenige Raubfische auf Beutezug, die den Thunfischlarven gefährlich werden könnten.

Allerdings hat die Anpassung an die nährstoffarmen Gewässer auch ihren Preis: Bei höheren Oberflächentemperaturen beschleunigt sich auch der Stoffwechsel der Larven und sie brauchen deutlich mehr Energie (Nahrung), um sich zu erhalten. Die Wissenschaftler fanden nun heraus, dass die Larven ab einer Temperaturschwelle von etwa 28 °C ihren Stoffwechselbedarf nicht mehr mit der verfügbaren Nahrung decken können und verhungern. Immer mehr und stärkere marine Hitzewellen um Mallorca hätten dann schwerwiegende Folgen für den atlantikweiten Bestand der Bluefins.

Quelle:

Bluefin tuna (Thunnus thynnus) larvae exploit rare food sources to break food limitations in their warm oligotrophic environment. Journal of Plankton Research, Volume 47, Issue 2, March/April 2025, fbaf006. https://doi.org/10.1093/plankt/fbaf006