Abbruch wegen Haltungsfehlers: Ehrenrettung für die Sportex-Rute

erstellt am: 08.05.2017 | von: Jürgen Oeder | Kategorie(n): Gerät & Technik

Bedauernswerte Angler habwn bei Patrick vor Zadar 5,5 Stunden an einem großen Thunfisch mit nicht angepasstem Gerät gefischt  „Nicht angepasst“ gilt zumindest für die Rolle des spanischen Händlers Grauvell. Dass die Rute von Sportex grenzwertig war für den schweren Thun, sieht man an manchen Stellen. „Richtig“ gedrillt  kann sie den Fisch zwar anheben, man sieht aber auch wie in den Drill-Fehlern des völlig entkräfteten Anglers in die Knie geht.

Wichtig: Nur allein diese Fehler haben zum Rutenbruch geführt. Mit einer vernünftigen Rolle, frischen Kräften und besserer Drilltechnik wäre der Thun womöglich auch an der Sportex-Rute zu fangen gewesen!

Es ist schon erstaunlich, wie wenig Wert Angler auf ihre eigene Drilltechnik legen und dem Material statt sich selbst die Schuld geben, wenn es wegen „Haltungsfehlern“ zum Bruch kommt. Ich sage das nicht besserwisserisch von meinem Schreibtisch aus, sondern aus leidvoller eigener Erfahrung: Beim Bonefish- Angeln auf den Bahamas hatte ich gleich beim ersten schönen Fisch eine Handlandung versucht und dabei die Klasse 7 Thomas & Thomas-Rute so sehr hinter mir in den Himmel gestreckt, dass der Winkel zwischen Rute und Schnur immer kleiner wurde – bis die Rutenspitze nachgab. Zum Glück war eine Ersatzrute dabei.


Seitdem beherzige ich, was in einigen guten Foren zur Drilltechnik gepredigt wird: Spitze Winkel sind aller Ruten Tod! Dies gilt vor beim Jiggen und Poppern.
Folgendes Bild aus dem Internet zeigt, worum es generell geht. Übrigens: Das was ich hier beschreibe, wird ausführlicher Bestandteil eines neuen Buches („Mit Popper und Jig rund um die Welt“) an dem ich gemeinsam mit Robert Balkow arbeite.

Richtig gedrillt wird in dem hier „proper fightingzone“ genannten Segment zwischen 0º und 45º.In dem Bereich darüber, also von 45º  aufwärts beginnt die „Todeszone“ für alle Rutenspitzen. Aber dies ist auch abhängig von der Position des Fisches zum Boot:
1.Der Fisch steht weit draußen: Zeigt die Ruten horizontal zu einem am Horizont m Fisch, wirkt keine Kraft auf sie, der Angler verspürt allein den Zug der Bremskraft an der Rolle. Er darf die Rute dann ohneallzu große Gefahr auch auf die 12.00-Uhr-Position anheben. Er verschwendet aber damit unnötig Kraft, weil kurze, schnelle Pumpbewegungen im Winkel von 0-45º schneller durchgeführt werden können und Fische schneller ermüden (Ein eigenes Kapitel in meinem Big Game Buch, dessen Neuauflage in Arbeit ist.)
Aber: je näher der Fisch zum Boot kommt um so mehr muss in der „fighting Zone“ gedrillt werden.
2.Der Fisch steht nah am oder unter dem Boot: Hier gilt die oben genannte Regel nicht mehr so eindeutig!

Noch eien bisschen höher und: Knack ab!
Zeigt die Rute bei einem  direkt unter dem Boot stehenden Fisch horizontal über das Wasser, liegt ein doppelt böser 90°-Winkel zwischen Rute und Schnur an. Zum einen ist er wegen der maximalen Hebelwirkung (Schulphysik: tangens alpha bei 90° = 1) böse für die Rute. Markenhersteller fordern  bei ihren Top-Modellen deshalb auch deutlich schwächere Bremseinstellungen bei solch einem Winkel.

Sieht „männlich“ aus, ist aber gefährlcih. Lieber den Rutenfuß unter die Achselhöhle klemmen udn mit der Rute zum Wasser zeigen. Courtesy: emeraude fishing

Böse ist der Winkel aber auch wegen seiner maximaler Last für den in der Endphase des Drills schwächelnden Angler. Und was tut er fatalerweise dank seines Gimbals: Um sich zu entlasten, zieht er die Rute immer mehr an sich (wie auf Patricks Video), bis sie auf der 12.00-Uhr-Position senkrecht in den Himmel zeigt. Physikalisch betrachtet verkürzt der Angler damit den für ihn ungünstigen (90º-Hebel) auf nahezu Null: Hände, Bizeps, Rücken, nahezu alle Muskeln werden entlastet. Allerdings „verkürzt“ er damit auch seine Rute womöglich auch endgültig: Wird der Winkel zwischen Rute und Schnur zu klein, verliert er Kohlefaserblank seine Biegeeigenschaften und die Rutenspitze bricht.
Um ganz präzise zu sein: Steht der Fisch unter dem Boot. Muss sich die „proper fighting zone“ auch in den unteren Quadrant bis maximal zur Horizontalen verlagern. Gedrillt wird dann zwischen der 7.00-Uhr- und der 9.00-Uhr-Position. Mit der Rutenspitze fast ins Wasser zu zeigen, das klingt ungewöhnlich, ist bei Slow-Jigging-Ruten aber die Regel. – Übrigens verspüren müde Angler auch dann eine Entlastung ihrer geschunden Muskeln und riskieren keinen Rutenbruch.

Ein Not-Harness ist allemalbesser, als die Rute vor der Brust: ein Fisch kann dannohne Riskio noch gelandet werden 

Deshalb gilt: In der Endphase des Drills darf der ANGLER mit einer Popper- oder gar Jig-Rute NIE  in den Kampfstuhl. Und ebenso wichtig: Steht der Fisch unmittelbar unter dem Boot, kommt die Popper- oder Jigrute immer(!) raus aus dem Gimbal und wird unter die Achselhöhle geklemmt! Dann kann die im Anglerenglisch „high stick“ genannte gefährliche 12.00 Uhr-Position gar nicht erst entstehen. Der Fisch steht dann zwar immer noch eine Rutenlänge von der Bordwand entfernt. Doch ein Schwenk der Rute nach rechts oder links zur Bordwand hin – und schon kommt das Vorfach in Reichweite des Mates oder der Angelkameraden.