Patrick Baier – Einer von uns

erstellt am: 11.01.2015 | von: Jürgen Oeder | Kategorie(n): Einer von uns

Ich wurde für günstige 800 Euro zurück nach Zadar geschleppt. Das Ganze ging so mit ca. 7-8 Knoten, aber ich traute mich dann doch nicht, den Menschen zu fragen, ob ich nicht eventuell 2 Ruten laufen lassen kann… Die guten Angler unter uns haben eines gemeinsam: den unbändigen Drang zum Fisch auch dann noch, wenn andere schon aufgeben. Bei Skipper Patrick Baier ist diese Leidenschaft besonders ausgeprägt. Wie sonst ist es zu erklären, dass er zu Jahresbeginn erst mit Schwimmweste und seinen beiden teuersten Spinnrollen am Gürtel an der Reling seines havarierten Bootes steht und die gefährliche Brandung und Klippen beäugt, durch die er womöglich zu der rettenden Insel schwimmen muss – und dann, wenig später, in Sicherheit am Abschlepphaken eines Rettungsschiffes, ernsthaft erwägt, Schleppköder auszulegen? O-Ton Patrick: „Ich wurde für günstige 800 Euro zurück nach Zadar geschleppt. Das Ganze ging so mit ca. 7-8 Knoten, aber ich traute mich dann doch nicht, den Menschen zu fragen, ob ich nicht eventuell 2 Ruten laufen lassen kann…“ Doch der Reihe nach. Patrick war mit seiner Frau Christina zum Jahresbeginn nach Zadar (Kroatien) gereist, um dort mit zwei slowenischen Chartergästen auf Amberjack zu jiggen. Weil Patrick aber nicht rechtzeitig wegkam aus Remscheid, war sein Freund Branimir vor Ort mit dem eigenen (langsamen) Boot eingesprungen und hatte an einem entfernten Unterwasserberg einen Schwarm mit etwa 50 Amberjacks gefunden. Nach der ersten rauen Drift lag dann eine 14,5 kg schwere Bernsteinmakrele an Bord – doch einer der beiden Gäste hing grün und mit Kreislaufproblemen in den Seilen. Rückmarsch, war angesagt. Patrick, ganz aufgedreht von der Nachricht, fuhr dann am Tag darauf auch zu dem Unterwasserberg am offenen Meer. Allein, weil Branimir arbeiten musste, weil die beiden Slowenen Auszeit wollten, und weil an seinem ersten Fangplatz nach einem 3,5 kg schweren Dentex Flaute herrschte.

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Draußen am Berg angekommen, jiggte Patrick erst mit Metall und dann in einem zweiten Anlauf mit Gummis. Patrick: „Nach zwei Sekunden bog sich die Rute wie Sau. Ich schätzte den Fisch locker auf 30 kg und schrie kurz auf vor Glück… Doch dann heulte der Motorenalarm auf! Also Bremse zu, Rute in die Halterung. Die Motortemperatur war im roten Bereich!!! Ich habe sofort den Motor ausgemacht und bin erst mal zurück zum Amberjack. Ich hatte die Rute rausgenommen, er war noch dran, doch da stieg auf einmal Qualm auf aus dem Motorraum. Mit dem Feuerlöscher hin, doch es war zum Glück nur Dampf. “ Patrick kappte dann zunächst die Angelschnur und musste feststellen, dass sich die Seewasserpumpe im Kühlkreislauf verabschiedet hatte. Also blieb ihm nichts übrig, als über seine besorgte Frau an Land (die ihn nah unter der Küste glaubte) anzurufen, damit sie Kroatiens aquatische Gelben Engel alarmiert. Derweil driftete das Boot bei zunehmendem Wind auf die Felsenküste einer Insel zu, der Anker hielt im Sandboden nicht und Patrick schälte sich in seine Schwimmweste… „Als das alles dann sehr nah wurde, hatte ich nur zwei Entscheidungen: Einfach Motor an und beim Wegfahren riskieren, dass der wegen Überhitzung ‚gehimmelt‘ wird. Oder aber absteigen, schwimmen und das Boot zerdeppert an den Felsen. Wenn es so weit gekommen wäre, hätte ich Variante 2 genommen: Das hätte die Kasko-Versicherung abgedeckt. Variante 1, ein neuer Motor für 25.000 Euro hätte ich am Bein gehabt… Aber in dieser Sekunde sah ich hinten am Horizont den gelben Flitzer mit über 600 PS angeflogen kommen. Sea Help war da!!! Der Kapitän sagte übers Handy: „You are near the open sea! What the fuck are you donig there?“ – Ich sagte nur: “Fishing” und wurde für günstige 800 Euro nach Zadar geschleppt.“ Den Dentex, den Patrick dann nach glücklicher Rückkehr auf den Grill legte, veranlasste seine Frau zu einer spitzen Bemerkung, die am Ende des folgenden Clips von feinen Ohren vernommen werden kann. (Danke Christina, dass Du den Clip noch geschnitten hast.  Jü.): Sie spricht mit Blick auf den Gesamtschaden also vom „teuersten Fisch der Welt“. Doch hier müssen wir kurz innehalten und eine Lanze brechen für Patrick! Zunächst kann man ihm ja grundsätzlich keinen Vorwurf machen, dass auch er dem Ruf im Manne folgt, Nahrung für die Seinen zu erjagen. Und außerdem haben Wasserpumpen(-Impeller), wie alle Skipper dieser Welt wissen, trotz bester Bootswartung schon immer einen heimtückischen Charakter und verabschieden sich stets ohne Vorwarnung. – Christiane sollte deshalb froh und erleichtert sein, dass ihrem Liebsten dies in der See weiter draußen passiert ist und nicht unter Land zwischen den Inseln, wo das Boot und er sehr viel schneller hätten zerdeppert werden können. (Patrick, in solchen Fällen hilft aber Argumentieren nicht. Befrieden kann man dann allenfalls mit der „3-Sch-Regel“: „Schweigen, schlucken, schenken“.)

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Gleich eine neue Pumpe in Italien zu bestellen war eins. Und klar war für Patrick und Branimir, dann dem weiter bohrenden Drang hin zum Fisch nachzugeben. Sie zogen, oder genauer tauchten die nächsten Tage los: Branimir ist von Beruf Apnoetaucher und einer der besten Speerfischer an der Küste, und Patrick beherrscht diese Kunst auch. O-Ton Patrick: „Heute wollten wir eigentlich einen Tag Pause machen aber die Sucht war zu groß. Wir waren mit Branimirs Boot gegenüber an der Küste. Erst haben wir dort 2 Dentexe gejiggt. Danach ging es dann ab ins Wasser, 14 °Celsius, und zwischen den Steinen ein paar Fische mit der Speargun bearbeitet. Da sind auch nochmal rund 13 kg Grillfisch zusammen gekommen.

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Irgendwann blieb Branimir dann unten – und kam erst nach langen 5 Minuten wieder hoch: „Ich habe erst nicht so genau mitbekommen, was da los war. Ich war 2 Mal wieder oben zum Luftholen (Ich schaffe nur 2 bis maximal 2.5 Minuten) und er prötelte da am Grund immer noch vor sich hin. Sein Freund kam dann mit einer toten Muräne am Arm und einem Hummer nach oben: „Branimir hatte zwischen den Steinen rumgefingert, um den Lobster zu packen. Da hat sich die Muräne dann in seinem Arm verbissen. Ihn hat dann die Wut gepackt und er hat sie mit der anderen Hand erwürgt! Er ließ sie nicht los, und das hat er wohl schon öfter gemacht. Man muss links und rechts fest in die Kiemen drücken und nach 2-3 Minuten ist sie tot. Ich verstehe nur nicht, warum er das da unten zu Ende gebracht hat und nicht mit ihr hochgeschwommen ist. Er war insgesamt wieder über 5 Minuten da unten oder so“, sagt Patrick.

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Am nächsten Tag legten die beiden erst eine kleine Grundleine und tauchten dann wieder. 30 kg Grillfisch, vom Wolfsbarsch über Meeräschen bis hin zu diversen Brassen kamen so zusammen. Patrick war zwar stehend k.o. aber trotz des Wartens auf die Pumpe „ganz happy“, sagt er.

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Dann am Mittwoch früh nach kurzem Schlaf „um 05.00 Uhr aufstehen, und Sardinen und Makrelen, Tintenfisch auftauen, eine Kassette Sardinen für den Kartoffelsack vorbereiten und gegen 06.00 Uhr dann los zu den Käfigen. Den Kartoffelsack mit einem Stein runter und zuvor an zwei Stellen einschneiden, dass nach und nach was rausgeht und hoffen, dass sich Amberjacks dort einfinden… Spearfishing bei den Käfigen, aber ich drück mich immer ein bissel davor. Da hatte ich auch einmal schon zwei fette Blauhaie rumflitzen sehen. Aber Branimir meint, große Amberjacks gehen, wenn überhaupt, nur nah an den Käfigen. Ich bin da skeptisch: 40-60 Meter Wassertiefe.Wenn die auf 30 Meter stehen, bin ich raus aus der Nummer. Mittlerweile war die Pumpe eingetroffen und eingebaut. Doch zu dem „golden Topf am Ende des Regenbogens“, dem Unterwasserberg mit all den Amberjaks, fuhren die beiden nicht. Der Grund: Goldene Töpfe gibt es nur im Märchen. In der Wirklichkeit hatte sich mittlerweile ein an der Küste weithin bekannter und nicht allzu beliebter Familien-Clan an dem Platz eingefunden und mit Netzen, Tauchern, 2 Kuttern und 3 Booten den Tod umgehen lassen: Knapp 10 Tonnen haben die Brüder in vier Zügen rausgeholt, davon waren allein 4 Tonnen Amberjack!

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

O-Ton Patrick: „Das Ganze machen die 3-4 Mal im Jahr und man munkelt, dass sie nach Abzug der Kosten damit bis zu 250.000 Euro machen. Auf einem der Kutter ist eine Fishfinder von Furuno mit 4 Kilowatt, 360 Grad Image, für 35.000 Euro. Da haben die Fische keine Chance mehr. Am Freitag, dem 9. Januar war dann der letzte Angeltag. Nach erfolglosem Fischen vor Veli Rat ging es nochmals zu den Käfigen: „Dort angekommen, war alles voll mit 7 Booten. Zwei davon hatten wieder Thune mit langen Tauen hinten am Boot unter Wasser.“ Patrick hatte dann auf seine neuen „Hogy“-Gummis einen harten Strike, konnte den Fisch aber trotz 80er Geflochtener auf der Saragossa 20.000 nicht halten. Der mutmaßliche Thun zog unter den Käfig und durchtrennte dabei die Schnur. „Das Ganze war in 5 Minuten vorbei. Der Thun schwimmt jetzt mit dem Hogy durch die Gegend und wer weiß mit wieviel Schnur noch. Deshalb fische ich ungern an den Käfigen. Das ist einfach Mist“, sagt Patrick. Gleichwohl zieht Patrick eine positive Bilanz: Bissel Fisch haben wir mit Rolle und Rute gefangen, einiges mit dem Speer und dafür, dass es Winter ist, war es o.k. Gelandet wurden drei Dentex bis knapp 5 Kilo davon zwei am Jig, und einer am Kalamar, sowie drei Amberjack (einen gejiggt, zwei gespeert) und 30 kg Grillfisch. Ein fetter Amberjack, den Branimir an den Käfigen schoss, brachte knapp 13 kg Filets. „Die kommen mit zu unserem Treffen in Gerhard Nörrs „Kochwerk“ am 21. Februar in Augsburg. Und noch ein kleiner mit 3,5 kg im Ganzen, den ich speerte“, sagt Patrick. Und dann hat uns Patrick noch folgendes Foto geschickt.

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Dieses Missgeschick passierte einem Einheimischen, der einen widerspenstigen Bluefin in kabbeliger See releaste und dabei mit dem Thun den Owner-Haken tauschte. Patricks Kommentar: „Also was sagt uns das? – Owner ist eine gute Qualität!“ Kein Zweifel, Patrick ist einer von uns!

Patrick Baier, Zadar, Kroatien

Kontakt: Patrick Baier Mail: biggame@emailn.de Site: www.biggame-kroatien.de