Angelguide Robert Balkow

erstellt am: 08.01.2014 | von: Jürgen Oeder | Kategorie(n): Einer von uns

Wie wird man zu einem außergewöhnlich guten Angelguide? Die erste Voraussetzung ist klar: Man muss selbst ein guter Angler sein und das Handwerk „von der Pike auf“ gelernt haben – am besten schon als Dreikäsehoch, vom Vater oder Großvater. Wie wird man zu einem außergewöhnlich guten Angelguide? Die erste Voraussetzung ist klar: Man muss selbst ein guter Angler sein und das Handwerk „von der Pike auf“ gelernt haben – am besten schon als Dreikäsehoch, vom Vater oder Großvater. Robert Balkow hatte dieses Glück. Sein Vater war leidenschaftlicher Angler und hälterte sich Köderfische, die in einer eingegrabenen alten Badewanne hinter dem Familienhaus in Papproth bei Cottbus auf ihren Einsatz warteten. Auf die Schuppentiere hatte es der Steppke Robert in seiner damals noch überschaubaren Welt abgesehen: Im Garten grub er Regenwürmer aus und machte Plötze, Karausche und Co. mit einer alten Gardinenstange als Angelrute das Leben schwer. Doch bald erweiterte er seinen Aktionsradius. Im Dorfteich fing er Karauschen und Brassen, später in nahen Seen und Flüssen dann Karpfen und vor allem Raubfische an der Spinnrute. Eine Tante „im Westen“ sollte ihm dazu eine Quick Finessa besorgen, die Robert in einem DAM-Katalog ausgemacht hatte. Er bekam dann aber eine Daiwa-Rolle und war zunächst schwer enttäuscht.

Mit der Wende kam 1989 der Westen dann nach Cottbus und auch das Angelgerät, das der damals Neunjährige brauchte. „ Meine Heimatgewässer waren die Spree und die Seen rund um Cottbus. Später kamen die großen Ströme Elbe und Oder dazu. Jede freie Minute verbrachte ich am Wasser, andere Interessen gab es kaum“, erinnert er sich. Im Millenniumsjahr begann Robert dann in Berlin zu studieren, Agrar- und Fischereiwissenschaften. Er machte sich nebenbei zudem noch selbstständig mit einem Geschäft für Angelzubehör und weitete sein Jagdrevier aus auf die Peene, die Boddengewässer und die Ostsee rund um Rügen.

2006 ergab sich für Robert dann durch einen Zufall die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen: Er verdiente sich als professioneller Angelguide zunächst auf dem Peenestrom die ersten Brötchen. Der Anfang war allerdings schwer. Robert schlief häufig im Kofferraum seines Autos, auf der Couch eines Freundes oder in einer nach Diesel stinkenden Kajüte eines alten Museumskutters. Sein Guiding war allerdings so erfolgreich, dass das Team Bodden-Angeln auf ihn aufmerksam wurde und kurzerhand von einem Konkurrenten abwarb. Für die Bodden-Angler arbeitet Robert auch heute noch rund um Rügen. Er wohnt seitdem auch auf Deutschlands größter und schönster Insel und schreibt, wenn ihm die Zeit das erlaubt, seit 2006 Artikel für verschiedene deutsche Angelmagazine.

Das Studium geriet mit dieser attraktiven Lebensplanung allerdings stark ins Hintertreffen. Boote und kapitale Raubfische statt Hörsäle und Seminare wurden immer mehr zu Roberts Alltag. Er brachte Kunden fortan an große Barsche, Zander und Hechte, aber auch Dorsche, Lachse und Meerforellen auf der Ostsee. 2007 konnte er dann selbst zusammen mit einem Gast den ersten Lachs jenseits der magischen 20-Kg-Grenze vor Rügens Küste fangen: 20,5 kg wog der silberne Torpedo. Angeln verbindet 2007 gelang Robert überdies der wichtigste Fang seines Lebens. „Schuld“ daran hatte der von TV-Angelfilmen bekannte Auwa: Er kam mit einer Anfängertruppe für eine Filmproduktion, bei der Robert den Bootsführer mimen sollte. Unter den Newbies war auch eine angelnde Frau, Sandra. Sie hatte im Jahr zuvor den Fischereischein gemacht und wollte nun selbst einmal „einem Hornhecht den Hals umdrehen“ wie sie sagte. – Was sie dann aber verdrehte, war Roberts Kopf: Beide wurden bald ein Paar und freuen sich heute über ihren mittlerweile drei Jahre alten Sproß Cedric.

Sandra begleitete Robert auch auf Reisen wie etwa nach Norwegen oder Cape Cod, wo sie selbst große Dorsche, Heilbutts, Striper und ansehnliche Bluefish fing. Und auch der kleinen Cedric war schon früh beim Angeln im Bodden mit an Bord: Erstmals mit drei Monaten, in einer Babyschale, die sicher auf dem Boden am Steuerstand stand. Aber doch nicht zu geschützt: Klein-Cedric hatte deshalb einmal Kontakt mit einem Hecht an Bord, erinnert sich Robert lachend. Diese positive frühkindliche Prägung wirkt noch immer: Der Dreijährige spielt heute Angeln mit der Hauskatze und lockt die Mieze mit einen Gummi-Shad an Stock und Schnur – natürlich ohne Haken. Cedric schaut zudem mit Vorliebe Angel-DVDs, und er will Papa und Mama natürlich immer beim Keschern helfen.

Von Rügen aus zieht es Robert immer wieder in die Welt: Nach Spanien und Norwegen mit Heilbutts bis 75 kg folgte dann 2010 eine Reise auf die Malediven und der Beginn einer neuen Leidenschaft: „Ich werden nie den ersten Einschlag eines GTs an der Popperrute vergessen. Und spätestens seit dem Fang eines anderen GTs, den ich klatschnass in der Brandung beim Watfischen am Außenriff bezwingen konnte, saß die Nadel ganz tief im Arm“ sagt Robert.

„Von da an hatte ich das warme Salzwasser im Blut und es reihte sich Tour an Tour“, erinnert er sich. Es folgten der Oman mit GTs bis 52 kg, auf einen Tipp des Big-Game-Experten Jörg-Dieter Haselhorst verschlug es Robert dann nach Panama, wo er Yellowfins bis 50 kg an der Spinnrute bezwingen konnte, und Roosterfische, monströse Cubera Snapper -„einen ganzen Zoo!“, sagt er.

Unterdessen verfestigte sich die Zusammenarbeit mit Shimano. Robert wurde 2012 Teamangler im Shimano Raubfischteam und befasst sich seitdem mit Gerätetests sowie der Beratung und Entwicklung neuer Produkte. Vorläufige Krönung der steilen Laufbahn war 2013 in den USA ein Bluefin mit 230 lb an der Spinnrute. Harte 80 Minuten dauerte der Drill. Mit weniger Körperkraft war dann der Besuch auf Grönland mit der Fliegenrute verbunden, wo ihn die herrlichen Arktischen Saiblinge in ihren Bann zogen.

Die Liste der geplanten Guiding-Touren wurde seitdem immer länger, nahezu unerschlossene Reiseziele wie etwa die Lakkadiven standen im Januar 2014 auf dem Programm. Roberts Globus ist zu einer kleinen Welt geworden, kein Land ist zu weit, keine Angelart zu abwegig. „Je verrückter desto besser!“, sagt er.

Sein Handwerk versteht der Guide, keine Frage. Aber wie wird man nun zu einem außerordentlich guten Guide? Denn dieses Prädikat haben ihm seien Kunden längst verliehen. Roberts Antwort: „Man muss auch mit Menschen umgehen können, sich selbst zurücknehmen und darf vor allem kein Spinner und Selbstdarsteller sein“, sagt Robert.

Dass er mit Menschen umgehen und Anglerträume wahr machen kann, hat sich mittlerweile bis nach Skandinavien zum Reiseveranstalter GetAway Tours rumgesprochen. Für GetAway arbeitet Robert seit 2013 als Guide und freut sich schon auf dessen Reiseziele von Cuba über Belize bis Kanada, oder Panama, Malaysia und den Malediven auf der anderen Seite des Globus. Dorthin ist es vom Papprother Dorfteich also gar nicht so weit. Robert Balkow ist Ansprechpartner fürs Spinnfischen und Speedjigging weltweit Kontakt: robert(at)getawaytours.eu